Fünf Dinge, die Sie nicht über Tutima wussten
Ein 27-jähriger Jurist, eine Raumstation, ein Klanglabor und eine Werkefabrik, die einen der berühmtesten Namen der deutschen Uhrmacherei belieferte. Tutimas Geschichte entzieht sich der Zusammenfassung.
Der Gründer war kein Uhrmacher. Ernst Kurtz meldete die Marke Tutima 1927 im Alter von 27 Jahren an. Er war ausgebildeter Jurist. Mitte der 1930er Jahre beschäftigten seine Fabriken in Glashütte 1.000 Mitarbeiter. Seine Werkefabrik UROFA wurde zu einem der größten Kaliberlieferanten Sachsens. Kurtz starb 1996 in Ganderkesee im Alter von 97 Jahren — zwei Jahre, nachdem er die Wiederbelebung seines Fliegerchronographen für die moderne Kollektion miterlebt hatte.
Deutschlands erste Chronographen-Armbanduhr war eine Tutima. Der Fliegerchronograph wurde 1941 gebaut und nutzte das Cal.-59-Werk, produziert bei UROFA. Ernst Kurtz' Bruder Walter war Testpilot. Rund 30.000 Stück wurden zwischen 1941 und 1945 gefertigt. Heute erzielen originale Cal.-59-Werke auf dem Sekundärmarkt zwischen 6.000 € und 10.000 €.
UROFA belieferte die gesamte Branche. In den 1930er Jahren fehlte mehreren Glashütter Firmen die Kapazität zur Armbanduhren-Produktion. Kurtz' Fabrik füllte die Lücke. Die Lieferbeziehungen sind dokumentiert, aber selten erwähnt. Glashütte war eine kleine Stadt; die Hersteller waren Nachbarn, mehr als alles andere.
Die Bundeswehr lehnte Quarz ab und wählte Tutima. 1984, auf dem Höhepunkt der Quarzkrise, beauftragte die Bundeswehr einen mechanischen Chronographen. Das Ergebnis war der NATO Chronograph, Ref. 798, mit der NATO-Versorgungsnummer 6645-12-194-8642. Er wurde bei 1.500 Metern und 15 Kilometern Höhe flugerprobt. Ein Exemplar verbrachte eine Woche an Bord der Raumstation MIR. Die Bundeswehr unterhält bis heute zwei eigene Werkstätten für die Reparatur dieser Uhren.
Die Hommage Minutenrepetition wurde mit dem Fraunhofer-Institut entwickelt. Die erste in Deutschland vollständig im eigenen Haus entwickelte Minutenrepetition für eine Armbanduhr in der Geschichte der deutschen Uhrmacherei. Sie enthält über 550 Bauteile. Das Fraunhofer-Institut — dasselbe Institut, das den MP3-Codec entwickelt hat — half bei der akustischen Optimierung des Gehäuses. Gesamtproduktion: 25 Stück, 20 in Roségold und 5 in Platin. 2013 gewann die Hommage den Couture Time Award für herausragende Feinmechanik.
Die Marke wurde 1927 eingetragen. In Glashütte entsteht derzeit ein neues Gebäude, dessen Fertigstellung zum hundertjährigen Jubiläum 2027 geplant ist.