Unsere Geschichte
Geburt eines Namens
1927
1926 kam ein 27-jähriger Jurist namens Ernst Kurtz nach Glashütte — einem Ort im Erzgebirge, der seit Ferdinand Adolph Langes Ausbildung von fünfzehn Strohflechtern zu Uhrmachern im Jahr 1845 das Herz der deutschen Feinuhrmacherei war. Kurtz hatte einen Doktortitel in Jura, nicht in Ingenieurwesen. Sein Einstieg in die Uhrmacherei war administrativ, nicht mechanisch.
Innerhalb eines Jahrzehnts verwandelte er die Stadt. Sein UROFA-UFAG-Komplex beschäftigte 1.000 Menschen — Glashüttes größter Arbeitgeber. Er entwickelte persönlich zwölf Kaliber. Seine Fabrik lieferte Werke an die gesamte Branche; selbst A. Lange & Söhne war Kunde. Der Name „Tutima“ war den präzisesten Instrumenten vorbehalten — vom lateinischen tutissima, der sicherste. Sein Bruder Walter war Testpilot. 1941 produzierte Kurtz’ Fabrik den Fliegerchronographen für die Luftwaffe — Deutschlands erste Chronographen-Armbanduhr. Rund 30.000 Stück wurden gebaut.
“Ein Jurist, kein Uhrmacher. In einer Stadt mit wenigen Tausend beschäftigte er tausend.”
Zerstört und wiedergeboren
1945–1960
Am 17. April 1945 fielen alliierte Bomben auf Glashütte. Die Sowjets demontierten, was übrig war — Maschinen, Werkzeuge, Rohmaterial, alles nach Osten verschifft. Die Uhrenindustrie, die Kurtz über zwei Jahrzehnte aufgebaut hatte, war in Wochen verschwunden.
Kurtz floh nach Bayern, dann nach Ganderkesee bei Bremen. 1954 stellte er einen 19-Jährigen namens Dieter Delecate ein. „Er sprach viel über Glashütte“, erinnert sich Delecate. „Schon am ersten Tag.“ Kurtz wurde sein Mentor.
Als Kurtz’ Firma 1959 scheiterte, erwarb Delecate — 25 Jahre alt — den Namen Tutima, übernahm Kurtz’ verbliebene Mitarbeiter und fing von vorn an. Seine Verkäufer hielten es für einen Fehler: „Warum diese Marke? Die kennt niemand.“ Seine Antwort: „Wir müssen sie verwenden. Es ist eine Glashütter Marke. Sie hat ein Fundament. Sie hat eine Geschichte.“
Kurtz heiratete nie und hatte keine Kinder. Er starb am 9. April 1996 im Alter von 97 Jahren in Ganderkesee — derselben Stadt, in der Delecate Tutima führte. Er erlebte noch, wie das Flieger-Replikat von 1994 produziert wurde. Er sah seine Schöpfung wiedergeboren.
“„Warum diese Marke? Die kennt niemand.“ — „Wir müssen sie verwenden. Es ist eine Glashütter Marke.“”
Seiner Zeit voraus
1984
In den frühen 1980er Jahren galt die mechanische Uhr als erledigt. Quarz — batteriebetrieben, hundertmal genauer, zu einem Bruchteil der Kosten — hatte die Branche überrollt. Hunderte Schweizer Fabriken schlossen. Die meisten nahmen an, mechanische Uhrmacherei sei Geschichte.
1984 brauchte die Bundeswehr einen Fliegerchronographen. Sie wählte mechanisch — Tutimas Ref. 798, NATO-Versorgungsnummer 6645-12-194-8642. Eine mechanische Uhr, gewählt über Quarz, für Menschen, deren Leben von ihren Instrumenten abhängt. Fluggetestet bis 1.500 Meter Höhe und 15 Kilometer. An Bord der Raumstation MIR.
Als Tutima ihn 1985 der Öffentlichkeit anbot, war der Markt gleichgültig. „Japanische Quarzuhren waren aufregend“, sagt Delecate. „Mechanische Chronographen waren nicht sehr beliebt.“ Seine Verkäufer nannten ihn unverkäuflich.
1994 brachte Tutima den Fliegerchronographen von 1941 zurück — eine originalgetreue Reproduktion mit ETA-Kaliber 7760. Die Welt titelte mit der Rückkehr der mechanischen Uhr. Das Foto zeigte den Tutima Flieger.
“Die Welt ging Quarz. Tutima ging den anderen Weg.”
Heimkehr
1989–2011
Die Mauer fiel am 9. November 1989. Innerhalb von Tagen fuhr Dieter Delecate von Ganderkesee nach Glashütte. „Ich musste hin“, sagte er. „Ich war Mr. Tutima.“
Alles sah ärmlich aus. Die Häuser waren ungestrichen. Aber Delecate war nicht zum Besichtigen gekommen. Er war gekommen, um zu sehen, was möglich war. Es sollte sechzehn Jahre dauern.
2005 fuhr ein Makler die Delecates durch die Stadt. Sie passierten ein denkmalgeschütztes ehemaliges Eisenbahngebäude in der Altenberger Straße 6. Im Fenster hing ein Schild: „I COULD BE YOURS.“
Er kaufte es. Im März 2008 begann die Produktion. Am 12. Mai 2011 durchschnitt Delecate das Band. Die erste Uhr aus der neuen Manufaktur war die Hommage-Minutenrepetition — Kaliber 800, über 550 Teile, die erste jemals in Deutschland für eine Armbanduhr in-house entwickelte. Er wollte, dass die schwierigste Uhr, die Tutima bauen konnte, die erste in Glashütte fertiggestellte war.
Sechsundsechzig Jahre nach der Demontage durch die Sowjets. Tutima war zu Hause.
“Auf dem Gebäude stand „I could be yours.“ Er machte es wahr.”
Die nächste Generation
Today
Heute ist Jörg Delecate Geschäftsführer — eine Rolle, die er seit 1998 innehat. Zusammen mit Ute Delecate, Direktorin für PR und Marketing, sind sie Miteigentümer: die dritte Generation, die die Überzeugung trägt, dass das, was Ernst Kurtz begann, es wert ist, fortgeführt zu werden.
35 Mitarbeiter arbeiten in der Glashütter Manufaktur. 55 weitere am Firmensitz in Ganderkesee bei Bremen. Tutima-Uhren erreichen autorisierte Fachhändler in mehr als 25 Ländern. Ein neues Gebäude entsteht in Glashütte — zwei Standorte werden zusammengelegt, die Kapazität erweitert. Die Nachfrage übersteigt das Angebot.
Immer noch unabhängig. Immer noch in Familienbesitz. Immer noch in Glashütte.
2027 feiert das Unternehmen sein hundertjähriges Jubiläum. Hundert Jahre seit dem Tag, an dem ein 27-jähriger Jurist in ein Tal in Sachsen kam und beschloss, Uhren zu bauen.
“Drei Generationen. Dieselbe Überzeugung.”
Gemacht für die, die handeln. Seit 1927.
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